UNSERE GEDANKEN ZUM WORLDWIDE CANDLE LIGHTING DAY 2015

Wie auch schon im Jahr 2014 trafen wir uns zum diesjährigen WWCD in der Melanchthon Kirche in Essen und gedachten, mit etwa 60 Gleichgesinnten, unseren verstorbenen Kindern. Die Gedenkfeier wurde, wie auch in 2014, von Frau Birkholz gestaltet und stand unter dem Motto

"Ein Lied klingt in mir"

Unter anderem konnte, wer wollte, eine Geschichte erzähle, welche Musik bzw. Lieder er mit seinem verstorbenen Kind verbindet. Auch wir lasen den unten aufgeführten Text vor. Der Text ist zweifarbig, da wir es uns angewöhnt haben, wichtige Texte immer gemeinsam zu formulieren und dann auch gemeinsam vorzulesen.

 

Alles lebt

Gibt es Lieder, die Menschen miteinander verbinden? Für uns ganz sicher. Bei uns sind es sogar zwei, die uns immer begleiten werden.

Das erste Lied, dass uns in Erinnerung bleibt, ist "Der Himmel soll warten". Eine Live- Version, die Adel Tawil gemeinsam mit Sido sang.

Dir war es schon seit längerer Zeit des Öfteren übel, du klagtest über Kopfschmerzen und dein linkes Auge schielte ein wenig. Auch hattest du dich öfters schon mittags ins Bett gelegt, weil du müde warst. Für uns war das total ungewöhnlich- warst du doch sonst so ein Wirbelwind. Und immer, wenn du im Bett lagst, hattest du dieses Lied volle Pulle auf deinem CD Player aufgedreht. Hast du vielleicht damals schin etwas geahnt- Immer und immer dieses Lied

 Sido - Der Himmel soll warten (feat. Adel Tawil) (Live@Comet2010)

www.youtube.com/watch

  

Zuerst konnten wir uns noch nicht einmal den Namen der Krankheit merken; wir waren wie gelähmt- als wenn man die Welt durch einen Wattebausch betrachtet. Die Diagnose schwebte wie ein Damoklesschwert über unseren Köpfen.

Was gibt einem da noch Halt? Wir haben versucht, dir beizustehen, sozusagen unser gemeinsames Schiff durch eine rauhe See zu segeln und die vielen Klippen zu umschiffen. Und immer war es die Hoffnung- die Hoffnung darauf, dass du wieder gesund wirst und uns unser altes Leben zurück gegeben wird. Aber leider spielt das Leben manchmal einfach eine andere Melodie- eine Melodie, die einem nicht gefällt. Und man muss sie sich anhören, auch wenn man nicht will.

Die Musik war schon immer wichtig in deinem wie auch in unserem Leben, auch bevor du krank wurdest. Auch ein weiteres Lied sollte uns während der Zeit deiner Krankheit und auch noch weit darüber hinaus ein treuer Gefährte bleiben.

Auf langen Autofahrten hat man immer viel Zeit, um sich über sich und sein Leben Gedanken zu machen. Ich erinnere mich noch an eine Autofahrt von Aachen nach hause. Die Tour dauert etwa 2 Stunden- und die ganze Zeit habe ich immer abwechselnd zwei Lieder gehört: "Alles kann besser werden" und "Bitte hör' nicht auf zu Träumen" von Xavier Naidoo. Beide Songs waren mittlerweile wie ein Teil der Familie geworden. Viele Gedanken schossen mir durch den Kopf- und viele waren von Hoffnung geprägt. Ich malte mir dann aus, wie eine der Therapien anschlagen und du wieder gesund werden würdest. Aber auch malte ich mir aus, wie es sein würde, wenn du nicht mehr bei uns wärst. Und ich glaube, mir liefen zwei Stunden die Tränen übers Gesicht.

Wenn wir beide dann gemeinsam im Auto unterwegs waren und ich die CD in den Player schob, wählte ich stets einen meiner beiden Favoritensongs. Du aber schautest mich jedes Mal von der Seite aus schelmisch an und drücktest den Vorwärtsknopf bis zu Lied Nummer 5. Das war nämlich dein Favorit- "Alles lebt". Du warst total textsicher und konntest jede Strophe mitsingen- aber nicht laut, sondern leise und bedächtig. Ich glaube, diese zwei Worte waren deine Botschaft an das Leben. Alles an dir lebte und du warst pure Lebendigkeit. Lebendigkeit, die wir heute noch in uns spüren können und uns jeden morgen wieder aufs Neue Kraft, Mut und Zuversicht gibt.

Auch wenn ich heute noch dieses Lied höre, kommt mir jedes Mal die gleiche Szene wieder ins Gedächtnis. Ich sitze auf dem Fahrersitz, Du neben mir. Wir fahren auf der Autonbahn und das Lied "Alles lbet" läuft im Radio. Ich lege meine geöffnete rechte Hand auf deinen Sitz und du deine linke Hand hinein. Ich drücke sie leicht und spüre eine wohlige Wärme. Ich schaue nach vorn und kann aus den Augenwinkeln erkennen, dass auch du geradeaus siehst. Ich spüre die innige Vertautheit und grenzenlose Liebe- deine und meine.

"Alles lebt" bedeutet für uns heute, dass es uns immer, wenn wir es hören, ein Lächeln auf unsere Gesichter zaubert. Manchmal auch Tränen der Traurigkeit. Schlagartig bist du uns dann noch näher, als du es eh' schon immer bist. Deinstrahlendes Lächeln und deine strahlend blauen Augen, dein ironischer Humor, wir können dann sogar manchmal deine Stimme hören- und wir fühlen uns von dir beschützt.

Voller Dankbarkeit blicken wir auf unsere erlebte und gelebte, gemeinsame Zeit zurück.

Wir vemissen dich so sehr