UNSERE GEDANKEN ZUM WORLDWIDE CANDLE LIGHTING DAY 2014

Wie jedes Jahr am zweiten Sonntag im Dezember fand auch am 14. Dezember 2014 wieder der Worldwide Candle Lighting Day statt. An diesem Tag gedenken Menschen auf der ganzen Welt aller verstorbenen Kinder. Neben unterschiedlichsten Gedenkfeiern werden rund um den Globus um 19 Uhr Kerzen entzündet und in die Fenster gestellt. Das erzeugte Licht der Kerzen zieht sich wie ein Band über 24 Stunden rund um die ganze Welt.

Wir gedachten unserer Carla bei einer Gedenkfeier in der Melanchthonkirche in Essen, zu der die Elterninitiative krebskranker Kinder in Essen e.V. eingeladen hatte. Der WWCD stand unter dem Motto "Für immer mit Dir". Gestaltet wurde diese Gedenkfeier von Frau Carmen Birkholz.

Etwa 50 Leute hatten sich dort versammelt. Neben ausgewählten Musikstücken und rezitierten Texten und Gedichten, die von Frau Birkholz vorgetragen wurden, hatten auch einige Eltern bzw. Familien eigene Texte formuliert, in denen sie über ihre Erfahrungen, Empfindungen und Gefühle bezüglich des Umgangs mit der Krankheit und den Verlust ihrer Kinder berichteten. Auch wir steuerten den nachfolgend aufgeführten Text bei.

 

Wir hielten Deine Hände für eine Weile, aber Dein Herz halten wir für immer

 

Als es Dir im November 2012 merklich schlechter ging und Du das Bett nicht mehr verlassen konntest, hatten wir die Gewissheit, dass nicht mehr viel gemeinsame Zeit blieb. Wir wollten aber die Zeit, die uns noch blieb, so intensiv wie nur eben möglich nutzen. Auch als wir merkten, dass Du dich immer weiter von uns entferntest, genossen wir es, Dir noch nah sein zu können und die Dinge zu tun, die Du noch konntest. Das wir Dir zum Beispiel den Nacken, der Dir immer so sehr schmerzte, massieren konnten. Dabei setzten wir uns im Bett hinter dich, so dass wir gemeinsam aus dem Fenster Deines Zimmers auf die schneebedeckten Wiesen und die entfernt stehenden Pappeln sehen konnten. Ab und zu konnten wir dabei auch die Nachbarskinder beobachten, wie sie dick vermummt ihre Schlitten über die Straße hinter sich her zogen.

Wir hatten quasi die Zeit entschleunigt. Wir genossen es, mit Dir im Bett zu kuscheln und aus dem Buch mit dem Titel „Die Kirchenmäuse ziehen ein“ vorzulesen. Und in der Silvesternacht ließen Papa und Hannah pünktlich um zwölf Uhr Raketen vor dem Haus steigen und Du konntest mit Mama vom Bett aus dabei zusehen. Weißt Du noch, wie sternenklar der Himmel war?

Auch wenn manche meinten, dass diese Wochen, die wir noch gemeinsam miteinander hatten, schrecklich sein mussten, war es für uns die intensivste, ruhigste, innigste und besinnlichste Weihnachtszeit, die wir bislang hatten.

Mitte Januar mussten wir Dich dann für immer gehen lassen. Du gingst voraus, wir blieben zurück. Die Reiseroute, die Du nahmst, war und ist uns nicht bekannt. Mit uns zurück bleiben der Schmerz und die Trauer- aber auch eine ganze Schatztruhe voller schöner Erinnerungen. Und je länger Deine Reise andauert, desto wertvoller werden sie.

Wir vermissen Dich so sehr und wenn wir könnten, würden wir so gerne die Zeit zurück drehen. Und wenn der Schmerz und die Trauer nahezu unerträglich sind, denken wir oft an den Schwur, den wir uns in einer der Novembernächte im Bett gaben. Du hattest den Mittelfinger über dem Zeigefinger gekreuzt. Als wir das bemerkten und Mama Dich fragte, was das zu bedeuten habe, sagtest Du: „Wir bleiben alle zusammen- für immer und ewig“.

 

Irgendwann werden auch wir dieses „One way ticket“ lösen und die große Abenteuerreise antreten, auf der Du dich schon befindest. Und an irgendeinem Ort wirst Du dann stehen, um uns zu begrüßen. Aber bis dahin werden wir uns an den Auftrag, den Du uns gegeben hast halten, nämlich: „Steckt den Kopf nicht in den Sand und schaut immer geradeaus und nicht nach hinten“. Lotti- versprochen, das tun wir!