LETZTLICH HATTE ICH EINEN TRAUM- ODER WAR ICH WACH?

 Ich lag, wie so oft morgens früh, wenn ich es abends mal wieder nicht geschafft hatte, meinen müden Kadaver ins Bett zu schleppen, auf dem Sofa. Plötzlich kam Hannah ins Wohnzimmer, schlörrte ihr Bettzeug hinter sich her und kuschelte sich auf das noch freie Teil des Sofas und sah fern. Kurze Zeit später kam auch Carla ins Wohnzimmer. Sie trug ihren hellbau- weiß geringelten Schlafanzug und braune Mokassins. Sie schaute ein wenig verschlafen drein und ihr Haar umspielte leicht wirr ihr Gesicht. Sie setzte sich zu mir auf die Rückenlehne und schaute mich an. Ich spürte ein unbeschreibliches Glücksgefühl in mir. Wir sprachen miteinander. An die Unterhaltung kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Ich weiß nur noch, dass ich sie fragte:“ Carla, werden wir uns irgendwann wiedersehen?“ Sie schaute mich an und erwiderte:“ Na klar Papa sehen wir uns wieder.“

Aber sie sagte es nicht wie ein 11-jähriges Mädchen, das ihrem Vater eine Antwort gibt, sondern sie sprach wie ein Erwachsener, der äußerst liebevoll seinem Kind eine scheinbar unsinnige Frage beantwortet. Und dabei sah ich in ihre wunderschönen Augen, die so verschmitzt lächelten.

Ich sah mich zu Hannah um- aber sie war nicht da. Auch Carla war plötzlich weg. Ich lag allein auf dem Sofa- hatte ich geträumt? Es war so real gewesen. Überglücklich über die Begegnung mit Carla machte mein Herz Luftsprünge; andererseits war ich traurig, dass sie nicht mehr da war. Sind dass etwa die Begegnungen, die ich jetzt mit Carla haben werde und die man erlebt, wenn man sich der Spiritualität öffnet?

Ich hatte schon zweimal von Carla geträumt, aber beide Male ähnelte das Mädchen, dass ich dort sah, ihr nicht. Beide Male war es blond, hatte also gar nicht ihr Aussehen. Aber es war beide Male ihre Stimme, die zu mir sprach.

Bei dieser letzten Begegnung aber hatte ich Carla vor mir gesehen, wie ich sie in Erinnerung habe. Das Haar, ihre Augen, ihr Lächeln- ja, sie trug sogar einen ihren Lieblings- Schlafanzüge. Und es war ihre Stimme, die zu mir sprach- eben Carla

Es war so schön- und doch so traurig, sie wieder gehen lassen zu müssen. Aber gerne freue ich mich auf die nächste Begegnung mit Lotti- und vielleicht nennt sie mich ja dann noch einmal „Dädlein“J

 

Übrigens: bei meinem letzten Traum habe ich direkt danach gedacht, ich müsse die Unterhaltung aufschreiben. Denn direkt, nachdem ich aufgewacht war, konnte ich mich noch an jedes einzelne Wort, das wir geredet hatten, erinnern. Ich hatte aber keinen Zettel und keinen Stift bei der Hand und irgendwie war mein müder Kadaver nicht in der Lage, sich zu bewegen. Also blieb ich liegen; mit der Konsequenz, dass ich am darauf folgenden Morgen das meiste vergessen hatte. Shit happens!

Vielleicht sollte ich mir jeden Abend Schreibzeug neben das Bett (oder auf den Couchtisch) legen, damit ich mir nach dem nächsten Traum jede Einzelheit notieren kann. Aber wahrscheinlich bin ich dann, aufgrund des herunter gefahrenen Kreislaufs sowieso nicht in der Lage, mich zu bewegen- dann soll es eben so sein, aber versuchen werd' ich es.