CARLAS GEMALTES BILD

 

 

Als Carla krank wurde, erfuhren wir viel Anteilnahme. Dazu gehörten auch Karten, auf denen uns diese Anteilnahme schriftlich mitgeteilt wurde.

Eine Karte, die wir bekamen, zeigte einen Sandstrand, auf dem sich seichte Wellen leicht brachen und im Hintergrund einen klaren Himmel mit einer orangeleuchtenden Sonne. Auf dem Strand waren Fußspuren zu sehen, die leicht von den Wellen umspült wurden. Auf der Karte war zudem der Spruch "Spuren im Sand" von Margret Fishback Powers abgedruckt.

Dieser Spruch  war so voller Hoffnung, das er zu einem Hoffnungsträger für uns wurde.

Im Sommer 2012 machten Carla und Hannah in den Sommerferien bei einem Malkurs in unserem Ort mit. Beide kamen nach Hause und zeigten ihre selbst gemalten Bilder. Wir fanden sie toll, aber Carla war niedergeschlagen und sagte uns, dass alle anderen sooo schöne Bilder gemalt und sie nur "dieses Bild gekrickelt" hätte.

Wir stellten die Bilder unserer Kinder auf den Kamin und dort standen sie dann auch einige Zeit. Eines Abends, als ich mir das Bild besah, fiel mir auf, dass das Bild mich an irgendetwas erinnerte; ich wußte nur nicht, woran. - Dann fiel es mir auf: Irgendwie wie "Spuren im Sand".

Ich schickte das Bild an eine Bekannte, die als Hypnotherapeutin in Heidelberg tätig war und schrieb ihr, dass mich dieses Bild irgendwie an das Gedicht erinnere. Sie schrieb zurück, dass auch sie das Gedicht kenne und es sie sehr berühre. Zu Carlas Bild schrieb sie:

"Getragen von der wechselseitigen Liebe in dieser Familie (Symbol: Herzen) wandert Carla mit Ihnen durch die Nacht (Symbol für Verinnerlichung, Glaube). Das wärmende und innerlich erhellende Licht - ob vom Mond oder der Sonne - begleitet sie. Und das Ziel dieser Wanderung - hier auf Erden - ist ein Haus, das von seiner Form an eine Kirche erinnert (Symbol für gelebte Spiritualität). Und das Rot der "Kirche" an Lebendigkeit und Kraft, die diese seelische Heimat bietet.

Ist das nicht eine wunderbare Botschaft Ihrer Tochter an Sie?"

Auch wir betrachten das Bild als ein großes Geschenk, das Carla uns gemacht hat.

 

Spuren im Sand von Margret Fishback Powers
 
 Eines Nachts hatte ich einen Traum:
 Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel
erstrahlten, Streiflichtern gleich,
Bilder aus meinem Leben.
Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.
 
Als das letzte Bild an meinen Augen
vorübergezogen war, blickte ich zurück.
Ich erschrak, als ich entdeckte,
daß an vielen Stellen meines Lebensweges
nur eine Spur zu sehen war.
Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.
 
Besorgt fragte ich den Herrn:
„Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen,
da hast du mir versprochen,
auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich,
daß in den schwersten Zeiten meines Lebens
nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen,
als ich dich am meisten brauchte?“
 
Da antwortete er: „Mein liebes Kind,
ich liebe dich und werde dich nie allein lassen,
erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen.“